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Coverstory: Marc Pircher

Eine Sünde wert

20 Jahre und kein bisschen leise: Der Powerman der volkstümlichen Musik feiert heuer Bühnenjubiläum. Zu diesem Anlass bat das ÖMM Marc Pircher zum Talk.

Es ist ein klarer Winter-Nachmittag in Lienz. Gerade eben geht das Skiweltcup-Rennen der Damen über die Bühne, mittendrin ein Tiroler, den man schon längst nicht mehr vorzustellen braucht. Am Abend hat er am Stadtplatz seinen Stimmungsauftritt. Die Rede ist von Marc Pircher. Der sympathische Tiroler hat bereits 20 Jahre hartes Schlager-und Volksmusik-Business am Buckel – kaum zu glauben, zählt er doch gerade erst 33 Lenze. "Ich würde 97 Prozent sofort wieder genau so machen", beginnt Pircher unser Plauderstündchen. Hat Marc doch bereits so einiges erlebt. Er erinnere sich noch ganz genau an seinen ersten großen Auftritt. Damals sei alles noch ganz anders gewesen, ohne erste eigene CD. Doch seinen TV-Auftritt bei der RTL-Heimatmelodie mit "Marianne & Michael" anno 1992 wird er wohl nie vergessen, sei dieser doch sein großes Sprungbrett gewesen. "Heute bin ich eigentlich nur mehr nervös, weil ich Angst habe, dass die Technik ausfällt", gesteht Pircher gegenüber dem ÖMM. "Vor einem Auftritt habe ich nicht mehr das große Lampenfieber, aber viel Respekt." Der ganze Skizirkus wurde dem Künstler quasi in die Wiege gelegt. Durch das Skigeschäft der Eltern wurde Marc bereits früh mit dem Skisport konfrontiert. Auch heute schwingt er sich liebend gern auf die Bretteln. Doch er stürme nicht gleich beim ersten Schnee raus, sondern brauche ein wenig Zeit, bis er in die Gänge kommt. "Bin ich dann mal auf der Piste, kann ich gar nicht mehr genug davon bekommen." Es verhält sich also scheinbar ähnlich wie mit den Brettern, welche die Welt bedeuten. Nicht zuletzt deshalb nahm Pircher  auch mit großer Begeisterung an der ORF-TV-Reality "Das Rennen" mit Armin Assinger teil, aus der er sogar als Sieger hervorging. Auch bei Dancing Stars war er mit Kelly Kainz dabei. "Ich würde jederzeit sofort wieder bei einer solchen Show mitmachen, denn der Bekanntheitsgrad steigt dadurch enorm an", meint Marc offen.

Bereits als Kind begeisterte sich Marc Pircher für die Ziehharmonika. Sein Vater Hans spielte für den Hausgebrauch und brachte seinem Sohnemann die ersten Griffe bei. "Meine Eltern haben mir Werte vermittelt und mich motiviert bei dem, was ich getan habe", zeigt sich Marc dankbar. Schließlich landete der junge Marc in der Zillertaler Musikschule. Doch Harmonika wurde dort bedauerlicherweise gar nicht unterrichtet. Ein Brixentaler, Sepp Gandler, wurde an die Schule geholt und dieser hat das Talent schnell erkannt. Heute rockt Pircher auf der Bühne ab, begeistert Alt und Jung. "Es ist eine große Herausforderung, sowohl das ältere, als auch das jüngere Publikum gewinnen zu können", so Pircher über die Gratwanderung zwischen Schlager und Pop. Nach seinem Hit "Sieben Sünden" hätten sich plötzlich die Discobetreiber gemeldet. "Und schon steht man vor einer Menge junger Leute, die einem zujubeln", funkelt es in seinen Augen. Marc Pirchers größtes Anliegen ist jedoch, sich selbst und seinen Wurzeln treu zu bleiben. Diese liegen in Ried im Zillertal. "Heimat ist für mich da, wo man zu Hause ist", bringt es Marc auf den Punkt und meint damit nicht nur sein Tirol, sondern ganz Österreich. "Zwischen dem Boden- und dem Neusiedlersee könnte es nirgendwo so schlimm sein, dass ich es nicht für einige Zeit aushalten könnte", fügt er hinzu. Heute gibt´s im Zillertal sogar ein Appartement "Marc Pircher", das alle Fans und Freunde buchen können, um in sonniger Lage gute Pircher-Luft schnuppern zu können.

"Wenn ich so überlege, fühlt sich alles an, als wäre es erst gestern gewesen."

Begonnen hat wohl alles mit dem "Musi Edelweiß", dem ORF-Nachwuchspreis für die professionellste Fernseharbeit, den Marc Pircher bereits im Jahr 1999 einheimste. "Was bedeutet Marc eine solche Auszeichnung?", wollten wir wissen.  "Das hängt vom jeweiligen Preis ab", kommt prompt die Antwort. „Manche bewegen leider nichts, andere verändern wiederum alles!" Der Sieg beim Eurovisions-Finale des Grand Prix der Volksmusik – deren Österreich-Vorausscheidung er später selbst moderieren sollte – im Jahr 2003 mit dem Titel "Hey Diandl, spürst es so wie i" war jedoch der Höhepunkt. Der Bergkristall sei die wichtigste Auszeichnung für ihn gewesen. Mehrere "Goldene Tulpen" oder der Amadeus Austrian Music Award folgten. Eine wichtige Station ist für den Musiker auch die Fernsehsendung "Weihnachten auf Gut Aiderbichl" an der Seite von Francine Jordi. Berührende Musik und herzerwärmende Tiergeschichten kommen bei den ZuseherInnen super an. "Heuer waren wir am Heiligen Abend Tagessieger", erzählt Marc stolz.

Nun ist Marc Pirchers neues Album "20 Jahre Marc Pircher" erschienen. Jetzt geht´s Schlag auf Schlag: Zuerst ist Marc mit der großen Musikantenstadl-Tournee mit Andy Borg durch Deutschland, Österreich, Dänemark, die Schweiz und Frankreich unterwegs. Im Juni 2012 steigt das Jubiläumsfest "20 Jahre Marc Pircher" in Mayrhofen. Aufgrund des großen Andrangs auf die Karten musste sogar ein Zusatzkonzert eingeschoben werden. Kurz darauf stand Pircher beim "MaPi-Open Air" auf der Bühne, bevor es im Dezember mit namhaften KollegInnen auf die Weihnachts-Tournee "Zauber der Weihnacht" durch Österreich ging. Volles Programm also – was wünscht sich jemand, der in seinem Metier schon so viel erreicht hat, dann für das neue Jahr 2012? "Auch für den Fall, dass es langweilig klingt: Gesundheit, um alle Termine gut absolvieren zu können", überzeugt Marc. Dabei ist ein Lächeln natürlich auch ganz wichtig. Was denn Marc Pircher zum Lachen bringt, wollten wir noch wissen? "Eine lustige Geschichte oder ein Gespräch natürlich." Traurig mache ihn jedoch die Falschheit in der Branche, die nicht nur Sonnenseiten hat. "Manche Haifische können einen schon gewaltig enttäuschen." Da bietet die Familie genau den richtigen Rückhalt. Marc ist Vater von zwei Kindern. Natürlich hege er den Wunsch, öfter bei der Familie zu sein. "Ich liebe es auf der Bühne zu stehen. Musik ist mein Leben, aber ich muss nicht mehr jedes Jahr eine CD aufnehmen, das ist nicht gut für die Kreativität, sondern erzeugt Druck", meint er. Er wolle nicht auf jedem Fest tanzen, sondern möchte sich in den nächsten zwanzig Jahren auch wieder mehr Zeit für kleinere Auftritte nehmen. "Ich habe meine BegleiterInnen auf dem Weg nach oben nie vergessen und sie mich auch nicht, egal auf welcher Stufe der Erfolgsleiter ich gestanden bin", zeigt sich der Tiroler stolz. Pircher überzeugt damit auch – genau wie in seinen Songs, die einfach authentisch rüberkommen. Denn der fesche Strahlemann ist trotz seines großen Erfolges immer am Boden geblieben. Und zu seinen Sünden steht er – denn es waren sicher mehr als nur sieben ...

Fotos: © Universal Music

 

 

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