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Coverstory: Ella Endlich

Endlich am Ziel

"Meilenweit" war die Künstlerin unterwegs, nun präsentiert sie den Bericht dazu auf ihrem Album – ÖMM sprach mit ihr über die Stationen des musikalischen Trips.

Zeitreise: Auf dem Weg zum Interview erinnern wir uns an das letzte Gespräch mit Ella Endlich, das wir vor einiger Zeit mit ihr geführt haben. Sehr persönlich und sympathisch durften wir sie damals erleben. Die Spannung steigt also, als wir ein heimisches Designerhotel betreten und in den Frühstücksraum gebeten werden. Zwar ganz anders als ihr "Wohnzimmer", die Brezel-Bar in ihrem Berlin-Kreuzberg, wo die Deutsche mit ihrem besten Kumpel in einer laut Ella "wunderschönen Wohnung" zusammen lebt. Aber in der Bettenburg stärkt sich die Sängerin gerade im Rahmen einer Promotion-Tour durch die Alpenrepublik. Mit im Gepäck hat Ella ihren Silberling "Meilenweit", der kürzlich auf den Markt gekommen ist.

"Ich war in den letzten Monaten viel unterwegs", beginnt Endlich das Gespräch. Sie habe dabei viele Leute kennengelernt und tolle Begegnungen mit ihrem Publikum erleben dürfen. Das Ergebnis ist nun die neue CD mit einer musikalischen Reise. Und die hat sich Ella nicht einfach so aus dem Ärmel geschüttelt – sie habe vielmehr nie aufgehört zu schreiben und somit schon die ganzen neuen Songs beieinander gehabt. Gut Ding braucht eben Weile. Thematisch möchte Ella Endlich damit nahtlos an den Titel ihrer aktuellen Single "Unterwegs" anschließen. Das erste Album "Da" konnte im letzten Jahr nach dem sensationellen Erfolg ihrer ersten Single "Küss mich, halt mich, lieb mich" immerhin beachtliche Erfolge verbuchen. Es behauptete sich sieben Wochen lang in den deutschen Charts und erreichte Platz 20 der Top-30 Schlager-Jahres-Longplay-Charts. Zudem rangierte die Scheibe Ende 2010 in den Media-Control-Newcomer-Charts auf Patz eins. Auf ihre Traumdestination angesprochen, braucht Ella nicht lange zu überlegen: "Ich möchte unbedingt mal nach Australien – am besten zu den Tennis Championships, da ich ja auch selbst Tennis spiele", plaudert Endlich aus dem Nähkästchen. "Aber dorthin nur als Zuseherin", lacht sie.

"Der Beginn des neuen Jahres ist für mich wie eine innere Affirmation."

Ella Endlich, mit bürgerlichem Namen Jaqueline Zebisch, war in ihren Jugendjahren bereits im Popgeschäft tätig. Im Bezug auf den Geburtsmonat Juni der 27-Jährigen Weimarerin und dem Beginn ihrer Teenie-Star-Karriere mit ihrem ersten Plattenvertrag im Juni 1998 wählte sie Junia als Künstlernamen – und stieß sich zugegebenermaßen damit die Hörner ab. Ihre erste Single "It´s Funny" veröffentlichte Junia dann im darauffolgenden Jahr. Die nachfolgenden Singles konnten in den Charts jedoch keine Platzierung mehr erreichen. Heute sieht sich Ella Endlich als Liedermacherin. Sie bringt moderne Elemente in die Welt des Schlagers. Dass sie von der Welt des Theaters, des Musicals und des Tanzes stark geprägt wurde, merkt man der Künstlerin auch heute noch an. Endlich genoss ja bekanntlich eine studienvorbereitende Musical-Ausbildung am Musicalstudio Neukölln. Nach dem Abschluss der Realschule ging sie dann an die Hochschule für Musik und Theater an der bayerischen Theaterakademie.

Wir möchten unseren Leserinnen und Lesern an dieser Stelle einen kleinen Einblick in das neue Album geben: Schon das Eröffnungslied "Meilenweit" strotzt vor Kraft. Die ultimative Hymne der Fernbeziehung. Unwahrscheinlich frisch und modern. "Sommersonnenkinder" schwelgt in einer Art Luftschloss in der Großstadt. Für Ella ist ein Kurztrip ans Meer eine kleine Aussteiger-Fantasie zwischen Tonstudio und Stadtlärm. Bei diesem Titel spürt man ihren erdigen, von rhythmischen Gitarren begleiteten, Singer-Songwriter-Stil in der Tradition der 60er- und 70er-Jahre. "Ein Lied für alle, die im Dunkeln wandern", das sei "Du gehst nie allein". Man kann es getrost seinem besten Freund, dem kranken Jungen nebenan oder seiner Oma schenken. Chanson und Folk werden wie bei ihrem ersten Hit durch Orchesterakzente veredelt. Eine Hommage an das legendäre Musikfestival "Woodstock", das anno 1969 auf einer Farm in den USA stattgefunden hat, macht dieses Album originell und bunt. Der autobiographische Text über die Träume, die Ella beim Erwachsenwerden hinter sich gelassen hat und die Träume, für die es heute zu spät ist, waren der Grundgedanke. "Berce-moi, Serre-moi, Aime-moi" ist das Highlight, auf das alle gewartet haben. Nicht etwa eine weitere Cover-Version aus der Trickkiste, auf der neuen CD gibt es das bereits zum Evergreen mutierende Liebeslied "Küss mich, halt mich, lieb mich" in französischer Sprache – meilenweit international eben! In dem Song "Mein Held ist gefallen" dreht sich alles um die Psychologie der Männer, deren Bild in der Gesellschaft und um Schwächlichkeit an sich. Dieses Thema beschäftigt scheinbar junge Frauen, die unter der augenscheinlichen Gefühlskälte junger Männer zu leiden haben. Das Lied passe jedoch weder in eine Radiorotation, noch auf eine sausende Schlagerparty. Es ist schon eher ein Lied, das man sich um vier Uhr Nachts zu einem Glas Rotwein anhört.

"Ich wünsche mir, endlich auch mal nach Australien reisen zu können."

"Am Tag danach" beschreibt die Momente, in denen wir, wie ansonsten nie, das Leben überfliegen können. Ella singt: "Wer zuletzt lacht, lacht am besten." Als persönlichen Schlüsselsong zum Komponieren von Liedern beschreibt Ella "Vier Sommer und ein Herbst". Die schonungslose Ehrlichkeit haben nur Verrückte oder Verliebte. Ella hat´s erlebt und festgehalten. Eine verunglückte Liebe öffnete ihr vor einigen Jahren die Augen. "Ich fand, dass ich wirklich geliebt habe, doch es war zu spät", so der Neo-Star. "Mein letztes Liebeslied" wirft die Frage nach der Authentizität des Textes auf. Ob es nun erlebt wurde oder nicht, sei egal. Denn der letzte, meist magische, ein Album manchmal toppende oder unsensibel floppende letzte Song kommt mit einem unfassbaren Verständnis für Dramatik in Wort und Musik daher.

Auf die kommenden Wochen freut sich Ella Endlich schon ganz besonders, wie sie sagt. "Ich mag die Zeit vor Weihnacht sehr gerne". Da werde selbst gekocht – Gans, Ente oder Forelle. Ein Fest der Familie. Ihr Vater, der Musikproduzent Norbert Endlich, ist ja bezüglich seiner Liaison mit Showmasterin Carmen Nebel im Gespräch. Doch darüber will Endlich nicht sprechen, immer gehe es hier um sie. Im Bezug auf ihr vorliegendes Werk feiert sie ihren Papa als "Hüter der Harmonik, der die Schleusen baut, durch die junges, rohes Talent strömen kann". Wenn Musiker sagen: "Ich war immer ein Lennon, kein McCartney", dann verstehe das Ella sehr gut. Und wie sieht´s mit dem Jahreswechsel aus? "Das ist für mich immer der Punkt, um ein wenig zu reflektieren, das ist wie eine innere Affirmation", meint sie. Dazu nehme sie einfach ein Blatt Papier und notiere sich 16 Wünsche für das neue Jahr. Kein Weltuntergang für 2012 also! Vielmehr das Vorhaben, auch andere Künstler auf die Beine zu stellen und als Produzentin in ihr Studio Endlich-Musik zu gehen. "Ich bin auf alle Fälle sehr stolz darauf, dass ich mein nun bereits zweites Album machen durfte", freut sich Endlich und meint zum Abschluss: „Ich wünsche mir wirklich, dass meine Songs sowohl im Ö2, als auch im Ö3 gespielt werden!"

Fotos: © Promotion

 

 

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